2/05/2016

Sommer. Sie ist mit vier Freundinnen im Urlaub. Eine wundervolle Nacht! 35°C und im Club spielt ihr Lieblingslied. Eine Truppe von Jungs gesellt sich zu ihnen. Der eine gefällt ihr. Er ist nett und bringt sie zum Lachen. Gerade heute feiert er in seinen 18. Geburtstag rein. Er sagt, er habe noch eine Flasche Alkohol auf dem Hotelzimmer, die er holen möchte, um anzustoßen. Er fragt, ob sie ihn begleitet. Sie ist angetrunken und hat ihre Freundinnen aus den Augen verloren. Sie zögert, will aber auch nicht alleine vor dem Club stehen bleiben. Er sagt, sie solle sich einen Ruck geben. Es sei schließlich sein Geburtstag und er wolle mit ihr anstoßen. Sie folgt ihm. Obwohl das Gespräch sehr nett ist, kommen ihr die Treppen in die dritte Etage endlos vor. Im Zimmer will sie im Flur warten. Er bleibt hinter ihr stehen und schiebt sie in den Raum. Das Türschloss knackt, als er hinter sich abschließt.
Ihre Freundinnen nannten sie naiv. "So was macht man doch auch nicht!" Selbst schuld.

Bin ich wirklich selbst Schuld, wenn ich den Worten eines Jungen glaube? Bin ich selbst Schuld, wenn ich in der Disko tanze und mir grundlos von hinten an den Po gefasst wird? Bin ich selbst schuld, wenn ich einen kurzen Rock trage und mir auf dem Weg nach Hause Sexangebote hinterhergerufen werden?
Eltern bringen einem Mädchen bei, sich nicht zu freizügig zu kleiden, nicht mit fremden mitzugehen und die Taten eines Jungen immer zu hinterfragen.
Was heißt es denn dann, ein Mädchen zu sein in unserer Gesellschaft?

Viel zu häufig kann man beobachten, wie ein Mädchen zum Objekt wird. Es wird reduziert auf sein Aussehen. Bei Disko Bekanntschaften ist das normal, dass es das Äußere ist, was Jungs anzieht und nicht der Charakter. Manchmal mündet das Ganze aber in Worten wie: „Schlampe“. Im Jugendlichen Sprachgebrauch sind solche Begriffe fest etabliert. Oft werden sie zum Spaß verwendet. Das macht jedoch die Abgrenzung schwierig, ab wann es kein Spaß mehr ist, sondern eine pure Beleidigung.
Die Sprüche der Jungs werden immer schlechter und die Outfits der Mädchen immer kürzer. Besonders bei jungen Mädchen fällt mir auf, wie sehr sie versuchen sich der Reduzierung ihrer eigenen Person anzupassen. Dünne Leggings und dazu ein bauchfreies Top. Die Blicke der Jungs sind ihr sicher. Jedoch leider nicht nur die Blicke.
Selbst schuld.

Nein, eben nicht. Ganz egal, was das Mädchen trägt, wie sie tanzt oder wie viel Alkohol sie getrunken hat: es ist ihr Körper. Wenn das nicht akzeptiert wird, ist sie das Opfer und trägt keine Mitschuld.
Ist es nicht das, wofür Frauenrechtlerinnen Jahrhunderte lang gekämpft haben? Die Selbstbestimmung und Selbstbehauptung der Frau? In Deutschland wurde dieser Kampf doch eigentlich schon lange gewonnen. Oder nicht?
Der Objekt-Gedanke wird jedoch immer noch auf Mädchen und Frauen produziert. Es beginnt allein damit, dass meine 12-jährige Cousine mir empört berichtet, dass die bösen Jungs in der Schule den Mädchen immer an den Popo fassen. In dem Alter? In ein paar Jahren sind es vielleicht schlimmere Taten.
Ich denke es ist egal, wie modern eine Gesellschaft ist, diese Reduzierung der Frau auf ihr Äußeres gibt es überall und ich frage mich, ob sich das jemals ändert.


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